Lebensräume im Naturpark Lahn-Dill-Bergland –
eine Schatzkammer der Natur
Mache dich auf zu einer digitalen Expedition zu den wertvollsten Lebensräumen, Pflanzen und Tierarten im Naturpark Lahn-Dill-Bergland.
Streuobstwiesen
Du startest deine Wanderung bei schönstem Wetter – Schäfchenwolken ziehen über dir hinweg, eine leichte Brise sorgt für Erfrischung und die Landschaften, durch die du streifst, laden zum Entspannen und Träumen ein. Nach einiger Zeit kommst du zu einer Wiese, die so einladend aussieht, dass du erfreut stehen bleibst. Vor dir erstrecken sich zahlreiche Obstbäume – es sind alte, knorrige Bäume dabei aber auch Neupflanzungen, die ihre frischen grünen Blätter Richtung Himmel strecken. Die Bäume stehen auf einer blühenden Wiese. Überall summt und schwirrt es, in den Bäumen zwitschern Vögel und sonnt sich dort auf diesem Steinhaufen nicht sogar eine Zauneidechse?
Du bist auf einer Streuobstwiese gelandet – ein Hotspot der Artenvielfalt. Tatsächlich musst du nicht in den Regenwald reisen, um möglichst viele, unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten auf einem Fleck zu entdecken. Auf einer richtig gepflegten, alten Streuobstwiese tummeln sich bis zu 5000 verschiedene Arten! Hier haben wir Menschen eine besondere Verantwortung. Denn die Streuobstwiesen wurden von uns angelegt und wenn wir uns nicht genug um diese kümmern, geht die Heimat von zahlreichen Arten verloren.
Was kann ich tun?
In den 18 Naturparkkommunen kümmern sich zwei Landschaftspflegeverbände sowie zahlreiche ehrenamtliche Naturschutzvereine und Privatpersonen um die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen. Wenn du selbst helfen möchtest, kannst du dich hier informieren:
- Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill e.V.
- Landschaftspflegeverband Marburg-Biedenkopf
- Naturnetzwerk Hohenahr e.V.
- Naturschutzring Ehringshausen
- Naturfreunde Herbornseelbach
Weitere Informationen über Streuobstwiesen
Streuobstwiesenzentrum Hessen – umfangreiches Wissen, Fördermöglichkeiten und eine Börse mit Kontakten zu Ansprechpartnern, Projekten und Aktivitäten aus ganz Hessen
Fledermäuse
Deine Wanderung führt dich weiter in den Wald. Du schaust dich aufmerksam um und bleibst erstaunt stehen. Zwischen den dichten Blättern kannst du in einiger Entfernung alte, bewachsene Steine in einem Hang sehen. Diese wurden von Menschen bearbeitet – es sieht fast aus, als ob hier ein alter Stolleneingang verborgen liegt. Neugierig gehst du näher heran. Tatsächlich. Durch eine vergittere Öffnung kannst du in den Berg hineinsehen. Doch es ist so dunkel, dass du nichts erkennen kannst. Wurde hier früher einmal nach wertvollen Rohstoffen gesucht? Dir war bislang nicht klar, dass du dich in einer Bergbaulandschaft bewegst. Ob es in der Gegend noch weitere Spuren zu entdecken gibt?
Ja, die gibt es tatsächlich. Wenn du mehr über die spannende Bergbauvergangenheit des Naturparks erfahren möchtest, schau einmal bei unseren „Geschichten zum Staunen“ vorbei.
[Einbindung der Karte aus dem Lernheft „Bergauf,bergab“ zu den Grubenstandorten im Naturpark]
Heutzutage werden die ehemaligen Grubenstandorte als Wohnraum genutzt – zumindest von Fledermäusen, die in den dunklen Gängen ideale Lebensraumbedingungen vorfinden. Besonders der Schelderwald bei Dillenburg ist ein bedeutender Lebensraum für verschiedene Fledermausarten in Hessen. Bsp. das Große Mausohr, die Mopsfledermaus, die Kleine und Große Bartfledermaus.
Weitere Informationen über Fledermäuse
Hauberge
Du stapfst einen steilen Hang hoch – und plötzlich verändert sich die Landschaft vor deinen Augen. Neben dir ist eine Fläche mit abgeschlagenen Baumstümpfen, aus denen neue Äste sprießen. Auf der anderen Seite wächst ein kleiner Wald, mit niedrigen, schmalen Bäumen. In manchen der Bäume sind merkwürdige Zeichen eingeritzt. Und was ist das? Weiter oben am Berg siehst du Menschen, die mit dir unbekannten Werkzeugen an den Baumstämmen kratzen und Stämme zusammentragen. Wo bist du denn nun bloß gelandet?
Du hast unsere Hauberge entdeckt!
Die Haubergswirtschaft ist eine besondere Form der Waldnutzung, die es seit dem 15. Jahrhundert nur in Teilen des Siegerlandes und in Bereichen des Lahn-Dill-Berglandes gibt. Ein Hauberg besteht aus mehreren, kleineren Parzellen, die nacheinander etwa alle 20 Jahren auf den Stock gesetzt werden. Hieraus entsteht ein Mosaik aus unterschiedlichen Wuchsstadien. Früher wurden die freigeschlagenen Flächen auch zur Beweidung und zum Getreideanbau genutzt. Die Haubergskultur entwickelte sich aufgrund des enormen Holzbedarfes zur Gewinnung von Holzkohle für die Verhüttung von Eisenerz. Zudem wurde Eichenrinde von den Bäumen geschält und für die Gerberei verwendet.
Heutzutage pflegen und erhalten Haubergsgenossenschaften mit großem Engagement die von der UNESCO ausgezeichnete Kulturlandschaft – meist zur Gewinnung von Brennholz. Die Arbeitstechniken und Werkzeuge sind bis heute erhalten geblieben. Aus Naturschutzsicht bieten die Hauberge spezielle Lebensräume für seltene und bedrohte Arten wie etwa dem Ziegenmelker.
[LINK zum Kurzfilm Hauberge aus den Geschichten zum Staunen mit Harro Schäfer]
Weitere Informationen über die Hauberge:
Kulturgut Hauberg – Infoseite der „Interessensgemeinschaft Kulturgut Hauberge“
In Haiger-Offdilln kannst du dir auf einem Spaziergang den Haubergslehrpfad anschauen und weiteres über diese spannende Kulturlandschaft lernen. Startpunkt und Parkplatz ist der Sportplatz am Siegenweg.
BILDER
Braunkehlchen
Der Weg führt dich weiter ins Tal. Du kommst an blühenden Wiesen vorbei und möchtest dir die Pflanzen näher anschauen. Vorsichtig gehst du weiter in die hohen Gras- und Blumenstände hinein. Da fliegt plötzlich ein kleiner Vogel vor dir auf und landet auf einem einzelnen Zaunpfahl in einiger Entfernung. Schnell holst du dein Fernglas aus deinem Rucksack und schaust hindurch. Diese Vogelart hast du noch nie gesehen. Er hat ein braunes Köpfchen und braunes Gefieder – seine Kehle und der Bauch sind heller gefärbt. Der Vogel bleibt in sicherer Entfernung sitzen und sieht dich an. Behutsam gehst du wieder aus der Wiese heraus, um ihn nicht weiter zu stören. Welches seltene Tier hast du jetzt entdeckt?
Du hast Bekanntschaft mit einem Braunkehlchen gemacht. Vor ein paar Jahrzenten waren Braunkehlchen noch häufig Gast auf schonend bewirtschafteten Flächen gewesen. Doch die Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung haben zu einem Rückgang der Brutpaare geführt. Heute ist das Wiesenvögelchen in Hessen fast ausgestorben – die noch vorhandenen Brutpaare leben Großteils im Westerwald und im Lahn-Dill-Kreis.
Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) sowie die Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill setzen Maßnahmen für den Schutz des Braunkehlchens um.
Weitere Informationen über das Braunkehlchen:
Blickpunkt Natur – auf der Seite vom Naturfotograf und Naturschützer Helmut Weller aus Ehringshausen gibt es wunderschöne Bilder des Braunkehlchens und anderer Arten. Schau auf seiner Seite einmal unter den Veranstaltungen nach – in beeindruckenden Fotoshows vermittelt Helmut Weller sein Wissen an neugierige Mitmenschen weiter.
Magerrasen
Deine Füße werden langsam müde. Schließlich erreichst du eine offene Fläche, auf der Schafe weiden. Du setzt dich unter einen alten Hutebaum, dessen Äste schon vor langer Zeit auf einer Höhe abgefressen wurden. Der perfekte Sonnenschirm für deine Pause! Neugierig schaust du dich um. Um dich herum sieht es erst einmal recht kahl aus. Aber nach und nach entdeckst du viele kleine Pflanzen, die du noch nie in deinem Leben gesehen hast. Unbekannte Schmetterlinge flattern um dich herum und die Biene, die gerade nach Nektar und Pollen sucht, sieht ganz anders aus als die Honigbienen von deiner Nachbarin, die Imkerin ist. Du kommst immer mehr ins Staunen – was für eine Schatzkiste der Natur hast du nun entdeckt?
Du bist auf einem Magerrasen gelandet – der Name klingt erst einmal nicht besonders attraktiv. „Mager“ ist die Landschaft um dich herum deshalb, weil die Böden für die Landwirtschaft nicht ertragreich genug sind – schon vor langer Zeit wurden daher Tiere zur Beweidung auf die Flächen getrieben, denn zum satt werden reicht der Bewuchs allemal. Nun sind Schafe die perfekten Landschaftspfleger – sie halten die Flächen offen und verhindern ein Zuwachsen, sodass sich die Spezialeinheiten unter den Pflanzen ausbreiten können. Diese Pflanzenarten sind an wenig Nährstoffe, Trockenheit und Hitze angepasst – ein Löwenzahn hat unser solchen Bedingungen keine Chance.
Im Naturpark gibt es noch besonders viele dieser mageren, aber umso artenreicheren Flächen. Aber sie sind in Gefahr! Denn weil so wenige Menschen diese Schatzkammern der Natur kennen, kommt es leicht dazu, dass die Landschaft nicht mehr beweidet wird. Nach und nach verbuschen die Flächen und die besonderen Arten gehen verloren. Ohne, dass wir es mitbekommen.
Wir möchten zusammen mit der Landschaftspflegevereinigung Lahn-Dill ein Konzept entwickeln, um die Magerrasen im Naturpark langfristig erhalten zu können. Sobald es nähere Informationen dazu gibt, findest du diese hier auf unserer Seite!
BILDER
Wildkatze
Du bist in der Abenddämmerung auf dem Nachhauseweg durch den Wald. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchen die Welt um dich herum in ein goldenes Licht. Doch was war das? Aus den Holzstämmen, die am Wegesrand liegen, hörst du ein Rascheln. Als du genauer hinsiehst, funkeln dich zwei helle Augen aus der Dunkelheit an. Dann geht alles schnell. Ein Schatten huscht an dir vorbei und verschwindet lautlos im Unterholz. War das eine Katze? Aber der nächste Ort ist noch weit entfernt. Herzlichen Glückwunsch! Du hast gerade deine erste Wildkatze gesehen!
Auf leisen Pfoten schleicht sie durch die ausgedehnten Waldgebiete im Naturpark. Umgefallene Bäume, aufgeschichtetes Holz oder dichte Gebüsche dienen ihr als Versteckmöglichkeit. Reich strukturierte Waldränder helfen ihr dabei, geschützt die angrenzende Streuobstwiese zu beobachten – um genügend Mäuse für sich und ihre Jungen zu fangen.
Wildkatzen sind süß, keine Frage. Aber sie sind keine Verwandten der Hauskatzen – sondern streifen schon seit je her wild und frei durch Europas Wälder. Wenn man sie denn lässt! Viele Jahre lang sah es nicht gut aus für die braungrauen Pfotentiere mit dem breiten, schwarzgefärbten Schwanzende. Zu viel Jagd, zu wenig Akzeptanz und falsches Wissen brachten die Wildkatzen an den Rand des Aussterbens.
Aber sie kommen zurück! In den letzten Jahrzenten haben sich die Wildkatzenpopulationen in Deutschland wieder erholt. Auch dank der unermüdlichen Arbeit vieler Menschen, die sich für den Schutz der sympathischen Tierart einsetzen.
Jedoch gibt es immer noch viel zu tun – Straßen, Drahtzäune und eine nicht naturschutzgemäße Forstwirtschaft bergen große Gefahren für die Wildkatze. Das Gute ist – jeder und jede kann „unseren“ Wildkatzen im Naturpark helfen. Wenn du selbst aktiv werden möchtest, informiere dich über das Projekt „Wildkatzenwälder von Morgen“








