Mundart – gerolltes R und das Herz auf der Zunge
Denn es gibt nicht den einen Dialekt im Lahn-Dill-Bergland. Es sind viele. Oft reicht Einheimischen schon ein Satz, um zu hören, aus welchem Dorf jemand stammt. Mal ist es das gerollte Rrr, mal ein Doppellaut, mal die Melodie eines Wortes. Für Außenstehende – die „Usswerdige“ – klingt das bisweilen so fremd, dass sie schmunzelnd glauben, mitten unter Amerikanern gelandet zu sein.
Diese Vielfalt ist kein Zufall. Unsere Mundarten tragen Spuren alter Sprachwege in sich – Wege, an denen sich Menschen einst unterschiedlich entwickelten. Die einen bogen links ab, die anderen rechts. Falsch war beides nicht. Entscheidend war und ist, dass Sprache verbindet und Verständigung möglich bleibt. Genau das prägt unsere Region bis heute.
Dialekt ist mehr als Sprache. Er ist Alltag und Erinnerung, Arbeitswelt und Familienleben. Er wurde nicht für Bücher oder Bühnen erfunden, sondern für Gespräche auf dem Feld, in der Werkstatt, am Küchentisch oder vor dem Stollen. In ihm steckt Bergbaugeschichte ebenso wie Waldwirtschaft, Gemeinschaftssinn und Humor. Vieles davon lässt sich nicht glatt ins Hochdeutsche übersetzen – und muss es auch nicht.
Wie unsere Natur ist auch die Mundart vielfältig, eigensinnig und zukunftsfähig. Sie verändert sich, passt sich an und bleibt doch verwurzelt. Wer Dialekt spricht, zeigt Zugehörigkeit, ohne sie erklären zu müssen. Und wer zuhört, hört oft mehr als Worte: Haltung, Nähe und Herz.
Hier im Herzen Hessens ist Mundart Herzenssache.
Mir verstieh sich.
Bild Mundartbegriffe: Dialekt im Hinterland e.V.
Häi schwätze mir Platt!
Hier findest Du einen Übersetzer von Hochdeutsch zu regionaler Mundart.





